In den letzten Jahrzehnten hat sich keine andere Region so gewandelt wie das Ruhrgebiet.

Die Zeiten von Staub, Ruß und Rauch sind vorbei. Zechen und Co. werden zu Kulturgütern umgebaut und laden zum Verweilen an denkmalgeschützten Orten ein. Die Verwandlung der ehemals „schwarzen“ Halde macht bewusst, dass die Veränderung von „Monte Schlacko“ hohe touristische Attraktivität hat.

„… und was haben die Bergleute mit der vielen Schlacke gemacht…?“ Diese Frage stellte Marlies O. aus Klettgau (Baden-Württemberg) während einer Gästeführung in der ältesten Arbeitersiedlung des Ruhrgebiets, Oberhausen-Eisenheim. Das Schlacke-Gestein, das in der Besucherrunde der Gästeführung weitergegeben wurde, symbolisiert den Werdegang der Landschaft:  Im Ruhrgebiet wurde ausschließlich Untertagebergbau betrieben und als Abfallprodukt das Bergematerial erzeugt. Dieses nicht mehr benötigte Material wurde in der Nähe von Zechen bzw. Förderorten zu künstlichen Bergen (Halden) aufschichtet. Ganz ähnlich hätte die Antwort auf Marlies‘ Frage auf den zahlreichen Terrassen eben dieser Halden lauten  können, die unterschiedlichste Eindrücke der Landschaft vermitteln. Die Halden haben schon lange nicht (mehr) nur Staub, Ruß und Rauch zu bieten, sondern einen weitschweifenden Blick auf die Ruhrmetrople und darüber hinaus sowie spannende Geschichten über Bergleute, Einwanderer und Einheimische, die auch den Besucherinnen und Besuchern der Gästeführungen, die  überall in der Region angeboten werden, neue Facetten über das Ruhrgebiet näher bringen. Das Ruhrgebiet, das 3. größte Ballungsgebiet Europas , das 5,3 Millionen Einwohner und eine Fläche von 4.435 km² umfasst, hat mit seinen Halden eine einmalige Landschaft geschaffen, die die Bewohner, aber auch die zahlreichen Gäste aus dem Im- und Ausland als Freizeit- und Erholungsgebiet begeistert.

Zu dieser Neugierde auf das Ruhrgebiet trug nicht unerheblich auch das Kulturhauptstadtjahr 2010 bei.

Die Verbindung von Industriekultur, Kunst, Sport und Events macht die Region nicht nur eindrucksvoll, sondern auch abwechslungsreich. Und dabei helfen auch die Gästeführer/innen, die kenntnisreich die Touren für Fahrrad, Reisebus oder auch zu Fuß, begleiten: Da ist zum Beispiel die höchste Halde im Ruhrgebiet, die Halde Haniel in Bottrop, – umgangssprachlich „Monte Schlacko“ genannt – die mit ihren 189,4 m über NN frei betretbar ist. Gästeführer wandern mit Ihnen den „Monte Schlacko“ rauf und Sie erfahren nebenbei die Geschichte des schmückenden Holzkreuzes, das von Auszubildenden der Zeche Haniel extra für den Besuch des Papstes Johannes Paul II angefertigt wurde. Wie sonst könnte unterhaltsamer über die kilometerweite Aussicht über das westliche Ruhrgebiet sowie seine hervorstechenden Landmarken berichtet werden? Oder auch über  die nächste Kultur- und Theaterveranstaltung des Amphitheater auf der Halde selbst?

Weitere Halden finden sich im Stadtgebiet von Hamm: Die Halden Maximilian und Sachsen, die beide nicht weit voneinander entfernt liegen, stellen jeweils die östlichste und nördlichste Halde des Ruhrgebietes dar. Auf der Halde Maximilian kamen im Jahre 1984, während der in diesem Jahr stattgefundenen Landesgartenschau Areal, die Fauna und Flora-Liebhaber auf Ihre Kosten. Auf dem jahrzehntelang brachliegenden Zechen- und Haldengelände siedelten sich besondere Pflanzarten und Tiere an, die auch in die neuere Gartenanlage einbezogen wurden. Mittlerweile ist nicht mehr nur Fauna und Flora zu bestaunen, sondern auch der gläserne Elefant, der das Wahrzeichen der Stadt Hamm darstellt. Dieser gläserne Anbau – eben in Form eines Elefanten – trifft nun auf die alte Kohlenwäscheanlage der Zeche Maximilian. So befindet sich in der Südostecke eine wilde Teich-, Wald- und Wiesenlandschaft – ein Überbleibsel der Brach- und Haldenvegetation.

Die Halde Sachsen liegt im benachbarten Stadtteil Heessen. Die Halde Sachsen besteht aus einer ganzen Haldenlandschaft mit drei hintereinander liegenden Abraumbergen. Das Besondere hier ist, dass Geschichte-Fans auf ihre Kosten kommen, denn das Ökosystems dieser Halde, die Landschaft und das Gewerbe sowie die Menschen, die in der direkten Umgebung leben, verdeutlichen den Strukturwandel des Gebietes sehr anschaulich.

Das Ruhrgebiet erwartet seine Besucher und Besucherinnen mit immer neuen Ideen wie einem Sportevent zur Halde von Bottrop, die eine imposante Landmarke, das Tetraeder, auf der Anhöhe trägt. Angeboten werden auch Nachtwanderungen von einer Halde zur nächsten. Unterschiedlichste Werke auf den Aussichtsplattformen oder auf den Weg dorthin laden Besucher und Besucherinnen ein, in diese künstliche und kunstvolle Welt einzutauchen.

Das Angebot der Gästeführer bezieht auch das Radwege-Netz zwischen den Halden und sowie in der weiteren Umgebung in Führungen ein, um die sportbegeisterten Besucher und Besucherinnen für das Ruhrgebiet interessant zu machen. Die alten Zechenbahnen bieten den Radfahrer/inne/n als umgebaute Radwege die Möglichkeiten, einen ungestörten Eindruck auf die veränderten Zechen- und Industriebrachgelände zu erhalten.

Viele Touren können über die Tourismusagenturen und bei den Gästeführer/innen selbst gebucht werden. Letztere stellen Ihnen das Ruhrgebiet als individuelles Erlebnis vor: Als Rad-, Wander- oder Reisebus-Tour bestimmen auch die Gäste mit, welche Facetten der grünen Ruhrmetropole bestaunt werden sollen. Die Highlights des Ruhrgebiets bereiten Ihnen die Mitglieder des Verein der Gästeführer und Gästeführerinnen im Ruhrgebiet auf Ihre persönliche Anfrage per E-Mail an info@vgr-ev.de auf. Auch lohnt sich ein Blick auf die Webseite des Vereins der Gästeführer/innen unter der URL: www.vgr-ev.de.

Inzwischen ist unsere Gästeführerin mit ihren staunenden Zuhörern am Fuß einer Halde angekommen.

„..und hier wurden die Gesteinsstücke hinaufbefördert, nur damit wir einen herrlichen und grünen Ausblick über das Ruhrgebiet haben? – Wunderbar!“. So enthusiastisch wie Frau Marlies O. wünschen wir uns jeden Gast hier im Ruhrgebiet.